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Respekt im Netz ist keine Selbstverständlichkeit. Von Rechtschreibung befreite Hassfragen („Was nimmst du denn für Drogen??sowas dummes geht garnicht“) oder wortschöpferische Beleidigungen („Intellektarmer Resthirnverwertungskörper“) werden reihenweise in die Tastaturen gehämmert. Ich bin überzeugt, dass es auch anders geht und habe vor Weihnachten, Anfang Dezember 2018, großartige Gäste in den Landtag eingeladen.

Hasskommentare schrillen durchs Netz

Ob auf politischen Seiten, Seiten von Nachrichtenmagazinen oder in Gruppen – Hasskommentare, Hetze und Verunglimpfungen sind schroffe Alltagstöne in sozialen Netzwerken. Dabei dienen soziale Netzwerke wie Facebook nicht nur dazu, Kontakte zu halten. Sie sind auch virtuelle Orte, an denen Menschen gesellschaftliche Streitfragen diskutieren. Entscheidend ist, dass sich die Menschen mit Respekt begegnen, statt sich virtuell die Köpfe einzuschlagen. Zum Glück halten Menschen dagegen und stehen für mehr Respekt im Netz ein. Das verdient unsere Unterstützung und zeigt, dass die Politik über die Umgangsweisen im virtuellen Raum reden muss.

Wie wichtig der SPD-Landtagsfraktion das Thema ist, zeigte die Anwesenheit unseres Fraktionsvorsitzenden Thomas Kutschaty und unserer Fraktionsgeschäftsführerin Sarah Philipp. Thomas Kutschaty  sprach ein Grußwort und begrüßte die Gäste. Anschließend lud unsere Sprecherin für Digitalisierung und Innovation, Christina Kampmann, zur Podiumsdiskussion ein und begrüßte mit Dr. Tobias Schmid (Direktor der Landesanstalt für Medien), Susanne Tannert (Vertreterin der Facebook-Initiative #ichbinhier) und Ali Can (Gründer von #MeTwo) kompetente Gäste.

Respekt einbringen

Tobias Schmid machte deutlich, dass das bloße Löschen von Hasskommentaren nicht ausreiche. Es bestärke entsprechende Kommentatoren nur in ihrem Denken, dass eine Verschwörung gegen sie vorliege. Entscheidend sei es, Hasskommentare zu verfolgen und verwies auf die Initiative „Verfolgen statt nur Löschen – Rechtsdurchsetzung im Internet“ von Medienhäusern und der Landesanstalt für Medien. Wer mit seinen Kommentaren Straftaten begeht, müsse dies auch verdeutlicht bekommen, ehe strafbare Inhalte entfernt werden.

Susanne Tannert bot in ihren Redebeiträgen Einblicke in die Abgründe digitaler Kommentarspalten. Insbesondere seien Frauen betroffen, die die Fahne für mehr Respekt hochhalten. Nicht selten würde Frauen schon mal eine Vergewaltigung an den Hals gewünscht, so Tannert. Die gute Nachricht aber sei, wo ihre Initiative “#ichbinhier” aktiv werde und für respektvolle und sachliche Kommentare einstehe, bewirke dies teilweise Versachlichungen in den Debatten. Echte Diskussionen seien allerdings dort nicht mehr möglich, wo nur noch Hass verbreitet werde. Trotzdem müsse klar sein, dass es oft eine Minderheit sei, die am lautesteten brüllt. Man müsse sich fragen, ob echte Menschen oder sogenannte social bots, digitale Fake-Profile, böswillige Kommentare absetzen.

Über Verhalten reflektieren

Ali Can hat sich als „Migrant des Vertrauens“ einen Namen gemacht und betreibt eine „Hotline für besorgte Bürger“. Er versucht Sorgen über Migrantinnen und Migranten zu nehmen und setzt sich erfolgreich für den interkulturellen Austausch ein. Menschen müssen über ihr Verhalten und ihre Umgangsformen reflektieren, erklärte Can. Deshalb sei der Austausch zwischen den Menschen mit unterschiedlichen Ansichten wichtig, auch im Netz. Statt mit dem Zeigefinger auf andere zu zeigen, müsse das Gespräch gesucht werden.

Zum Ende der Diskussion wurde die Runde geöffnet und der Austausch setze sich mit den anderen Teilnehmerinnen und Teilnehmern fort. Letztlich löste sich die Gruppe bei Snacks und Getränken langsam auf.

Die Veranstaltung hat gezeigt, dass noch vieles für mehr Respekt im Netz zu tun ist. Für mich ist klar, dass ich das Thema auch in 2019 weiter verfolgen werde. Wir dürfen Hate Speech keine Chance geben und müssen auch im virtuellen Raum respektvolle Töne anschlagen und gegenhalten, wo es notwendig ist.