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Leitbild statt Leitkultur – warum wir klare Werte statt schwammige Begriffe brauchen

Manchmal ist Integrationspolitik wie das Meer. Immer wieder spülen alte Debatten alte Begriffe an. Besondere Wellenreiter sind dabei die Christdemokraten, die sich die „Leitkultur“ auf die Fahnen geschrieben haben. Jüngst hämmerte der Bundesinnenminister Thomas de Maizière (CDU) seine Thesen zur „Leitkultur in Deutschland“ in die „BILD am Sonntag“. Doch was wir brauchen ist ein klares Leitbild für eine vielfältige Gesellschaft statt einer schwammigen Leitkultur.

CDU reist in die Vergangenheit

Eines muss man der CDU lassen. Es lässt sich mit ihr leicht in die Vergangenheit reisen. Fast 17 Jahre ist es her, als der ehemalige CDU-Fraktionsvorsitzende im Bundestag, Friedrich Merz, mit seiner Forderung nach einer „deutschen Leitkultur“ eine spannungsreiche Debatte entfachte. Von Anfang haftete dem Begriff jedoch ein großes Manko an, nämlich seine Bedeutungsschwäche. Was soll überhaupt eine „Leitkultur“ sein? Für wen soll sie gelten und erhebt sie Führungsanspruch gegenüber allen anderen Lebensweisen in unserem Land? Gibt es etwa nur die eine deutsche Kultur?

Diese Schwäche wird der Begriff bis heute nicht los und sie verbindet sich mit einem schwerwiegenden Trugschluss der Christdemokraten. Jedes Konzept, in dem die CDU über eine „Leitkultur“ philosophiert, adressiert sich vor allem an Einwanderinnen und Einwanderer. Der Unterton ist eindeutig: wenn ihr hier leben wollt, dann passt euch an! Doch wird das der Anforderung gerecht, ein friedliches Zusammenleben aller Menschen in diesem Land zu gestalten? Wohl kaum, denn es sind immer zwei Seiten, die zusammenleben wollen.

Was wir brauchen: Leitbild mit klaren Werten

Was wir deshalb brauchen ist keine schwammige Leitkultur, sondern ein Leitbild mit klaren Werten für ein friedliches Miteinander in einer vielfältigen Gesellschaft. Das schließt Einwanderer und Alteingesessene gleichermaßen ein. Denn unsere demokratischen Werte sind von allen Menschen in diesem Land einzuhalten. Darum haben wir in Nordrhein-Westfalen mit unserem Integrationsplan deutlich gemacht, dass ein klares Leitbild für alle hier lebenden Menschen gilt.

Dieses Leitbild enthält die gegenseitige Akzeptanz. Respekt und Toleranz für den anderen und seine Lebensweise ist geboten. Ob du in die Kirche oder Moschee gehst, Fleisch oder Gemüse isst, Männer oder Frauen liebst, wenig oder viel Geld hast – du hast die gleichen Menschen- und Bürgerrechte. Du hast eine Würde, die unantastbar ist. Diese Grundwerte vermögen es trotz aller Herausforderungen friedlich und respektvoll miteinander zu leben, wenn alle sie einhalten. Dieses Leitbild sollte verbreitet werden, statt eine fragwürdige „Leitkultur“ einzufordern.